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Geschrieben von joschma
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Montag, 01. Juli 2002 |
Zur Technik
Das Fernsehbild besteht aus 625 Zeilen, wovon nicht alle für den
Bildinhalt verwendet werden. 50 dieser Zeilen, der sogenannte
vertikale Zeilenrücklauf, können für andere Aufgaben genutzt werden, in
der Regel ist dies der Videotext. In Teilen dieser Zeilen wurde
anstelle eines Videotextes das Musiksignal gesendet, welches dann von
der Playersoftware decodiert wurde. Dies geschah über den Sender
NBC, da dieser keinen eigenen Videotext anbietet.
Zum Empfang von
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benötigte man eine TV-Karte, die Software der
Firma Musicpl@y sowie den Empfang von NBC über Kabel oder
digital über eine Sat-Anlage. Der Clou an der Sache war, dass man zum
Empfang nicht im Internet zu sein brauchte. Die Musik kam direkt
in Echtzeit über den TV-Sender auf den PC. Lediglich zum einmaligen
Downloaden der Software und zum Registrieren des Players war eine
kurze Verbindung in das Internet nötig.
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sendete rund um die Uhr ohne Moderation die aktuellste Musik.
In der letzten Version des Players war ein sogenannter
'Daueraufnahme-Button' integriert, der es ermöglichte, die empfangenen
Musiktitel im mp3 Format direkt und ohne Beisein des Hörers auf
der Festplatte zu speichern. Die einzige Grenze war die Kapazität der
Festplatte. So konnten z.B. Samstags alle Titel der Sendung 'TOP
50' aufgenommen werden. Jeden Tag wurde außerdem eine aktuelle CD in
kompletter Länge gespielt. Einmal um 15 Uhr und zur Wiederholung
um 23 Uhr. Ich möchte hier nicht weiter auf die Programmstruktur
eingehen, sie war noch weitaus vielfältiger - siehe Programm.
Der Sender
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war ein eingetragener, lizensierter Radio-Sender, also trotz
Meinung einiger Unwissender völlig legal. Was nun zur Insolvenz
führte, kann auch der Letzte verstehen, wenn er sich klarmacht, das
immense Kosten auf so einen Sender zukommen. Die Musiktitel müssen
gekauft werden, die Austastlücke an NBC bezahlt werden, die Einspeisung
der Musik in das Netz, die Personalkosten usw. Und wenn man
nun bedenkt, dies alles ohne genügend Werbepartner und ohne
Gebührenerhebung, wird wohl einiges klarer. Aber wir alle sind der
Meinung, diese geniale Idee darf nicht sterben. Aus diesem Grunde wurde
die Aktion rettet-radiomp3 in’s Leben gerufen.
Die Geschichte
13. März 2000: Die Musicpl@y GmbH geht mit
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auf Sendung. Das Konzept ist bis heute weltweit einmalig!
April & Mai 2000: Der Release der Version 1.1 lässt auch die Anzahl
der Hörer drastisch ansteigen (bis Mai weit über 100.000!)
Juni 2000: Neben einer komplett neuen Website werden jetzt auch fünf komplette CDs pro Woche (Mega-CDs) gespielt und es laufen
Sondersendungen am Abend wie Rock-It!, Sonix Clubbing oder die 80´s & 90´s, weitere Sendungen folgten...
August 2000:
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ist nun nicht mehr exklusiv für Kabelkunden
empfangbar - auch NBC Europe auf Eutelsat Hotbird 13°Ost verbreitet
jetzt das
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-Signal ---> weitere Zuwächse an Hörern
September 2000: Der komplett überarbeitete Player 2.0 sorgt nicht nur
für Freude bei den Hörern durch etliche Bugs. Ausserdem wurde
eine Registrierung bei Musicpl@y durch eine Key-Abfrage im Player zum
Zwang. Noch im gleichen Monat sollten alle alten Version ab 1.0
abgeschaltet werden - vergeblich! Zuviel Protest der Hörer durch
Probleme mit dem Player zwang Musicpl@y dazu diese Versionen erstmal
beizubehalten.
Oktober 2000: Die nächste Version 2.1 wird released - die Probleme blieben bei vielen Usern!
November 2000: Klaus Finger wird Direktor des Business Development,
Marketing und Sales der Musicpl@y GmbH. Ausserdem erscheinen in
diesem Monat gleich 3 neue Player-Versionen: die 2.15, 2.2 und 2.2
Build 48
Dezember 2000: Die von den Hörern langersehnten Top50 bereichern das
Programm von
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. Zusätzlich werden alle Mega-CDs der Woche
an einem Stück am Sonntag Abend in der "Mega-CD-Nacht" gespielt.
März 2001: Erst jetzt werden alle Versionen unter 2.1 abgeschaltet, da
die neue Forward Error Correction (FEC) das Signal für alle
Player ab 1.0 unverständlich macht. Ende des Monats wird dann die
Version 2.3 released, die mit einigen gravierenden Veränderungen
aufwartete:
1. Dem FEC-Stream der vielen Hörern das Leben erleichterte und größtenteils für ungetrübten Hörgenuss sorgte, selbst bei relativ
schlechtem Empfang.
2. Die Daueraufnahme: Der Player nahm alles auf was folgte, ohne, dass
der User dabei sitzen musste. Dies war eine Konsequenz dafür,
dass es Musicpl@y untersagt wurde, Songs erst kurz vor Ende noch
abzuspeichern. Nicht zuletzt waren alle Autosaver ein Beweggrund für
diese Daueraufnahme.
18. April 2001: Schockmoment für alle Hörer: Nach einer angeblichen
Routine-Wartung der Server bei Musicpl@y wird ca. 3 Tage nichts
mehr gesendet. Die Informationen, was wirklich los ist, sind dürftig.
Als
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wieder on air ist, wird von einfachen
Server-Problemen gesprochen. heise.de
hingegen
berichtet von vertraglichen Problemen mit NBC Europe, welche
möglicherweise durch das geplante video.mp4 verursacht wurden (einem
Bezahlsender für Videos, welcher durch die gleiche Technik wie
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verwirklicht werden sollte)
Mai & Juni 2001: Es werden keine Neuzugänge mehr im normalen
Programm und den Top50 gespielt. Zusätzlich werden nur noch alte &
Best-Of
CDs in den Mega-CD-Sendungen gespielt. In den Chats und Foren kommt
sofort das Gerücht auf, Musicpl@y gehen die finanziellen Mittel
aus
8. Juni 2001: Um 14.44 Uhr verkündet ein Musicpl@y-Mitarbeiter in einem geschlossenen IRC-Chat auf musicplay.de:
<chemical> ich habe eine traurige nachricht zu machen und möchte nur sicherstellen, dass mir keiner dazwischenredet
<chemical> um 15:00 wird
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eingestellt
<chemical> wir bedanken uns bei allen hörern, dass sie zu uns gehalten haben
<chemical> aber leidet rentiert sich der radiosender nicht mehr
<chemical> tools wie docker und autostore, die den player verstecken, haben unter anderem werbepartner vergrault
<chemical> es lässt sich leider nicht mehr finanzieren. :-(
Pünktlich um 15 Uhr lässt sich die Seite von
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& Musicpl@y
nicht mehr ansteuern... es lässt sich nur noch folgendes von der
Page vernehmen:
"Am 31.05.2001 hat die Musicpl@y GmbH das Insolvenzverfahren am
Amtsgericht München beantragt, da das wirtschaftliche Fortbestehen
nicht mehr gesichert werden konnte. Aufgrund dieser Situation musste
der Sendebetrieb von
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sowie alle Internet-Aktivitäten
mit sofortiger Wirkung eingestellt werden. Wir bedauern diesen Schritt
sehr und bedanken uns bei allen Hörern für ihre bisherige
Unterstützung."
Danach ist nichts mehr von Musicpl@y zu hören... Sehr viele Hörer (von
am Ende über 600.000!) sind geschockt und wissen nicht, warum
Musicpl@y nicht erstmal einen kostenpflichtigen Player angeboten hat um
sich finanziell über Wasser zu halten... Viele sind sofort
bereit eine monatliche Grundgebühr zu zahlen, so wie es ursprünglich
auch von Musicpl@y geplant war...
22.06.2001: Musicpl@y startet eine letzte Rettungsaktion! Bestärkt von
diversen Rettungsaktionen der
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-Community wird nun um
eine Einzugsermächtigung von 5 Euro erbeten. Damit könnte das Abosystem
ins Leben gerufen werden!
08.08.2001: Rettet-radiomp3 hat eine Spendenaktion gestartet. Bis Mitte September werden fast 20.000 DM gespendet!
12.09.2001: Das endgültige Aus für
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. Dazu folgende Mitteilung von Musicpl@y-Geschäftsführer Stefan Höper:
>>>
Liebe User und Mitstreiter von r@diomp3,
dies sind die wahrscheinlich schwierigsten Zeilen in meinem beruflichen Leben.
Nach eingehender Beratung mit dem Insolvenzverwalter haben wir
entschieden, das Verfahren zu eröffnen, d.h. die MusicPlay GmbH zu
liquidieren.
Über drei Monate sind nun vergangen; trotz einer vollständigen
Neuausrichtung des Unternehmens und seiner Verträge, neuer Erlösquellen
sowie 13.000 eingegangener Einzugsermächtigungen, ist es nicht gelungen
für die Altverbindlichkeiten und Anlaufkosten Kapital zu
beschaffen. Obwohl die MusicPlay im Januar bereits schwarze Zahlen
geschrieben hätte, ist der Zeitpunkt, Investoren und Kapitalgeber
zu finden denkbar ungünstig. Außerdem gibt es in solchen Situationen
immer Interessenskonflikte, die diese Vorgänge erschweren. Nicht
zuletzt durch das verheerende Unglück in den USA und die drohende
Rezession ist unser Optimismus in der Arbeit um die Finanzierung und
Erhaltung geschwunden.
Die Grundidee, und das was Gesellschafter und Mitarbeiter bisher
investiert und geleistet haben, waren es wert, nicht einfach nach
Hause zu gehen, sondern um die Sanierung zu kämpfen. Wir sind nicht nur
verantwortlich für das, was wir tun, sondern auch für das,
was wir nicht tun.
Ich möchte an dieser Stelle nicht versäumen, dem Insolvenzverwalter,
Herrn Wernicke für die Kooperationsbereitschaft und die Chance
zur Rettung zu danken.
Alle, die uns auf unterschiedliche Weise geholfen und unterstützt
haben, mit Homepages, Einzugsermächtigungen, Spenden oder operativer
Mithilfe, sei ganz herzlich gedankt. Besonders hervorheben möchte ich
jedoch Niko, einer der Betreiber von rettet-radiomp3: sein
persönlicher Einsatz war einzigartig, er hatte sich über einen langen
Zeitraum Urlaub genommen, Tag und Nacht für die Sache gekämpft,
sein Privatleben geopfert und das Familienleben zurückgestellt. Diese
Community wünscht sich jedes Unternehmen, sie besteht eben nicht
nur aus den oft beschriebenen Nutznießern, die alles kostenlos wollen.
Etliche tausend haben bewiesen, dass sie auch zu geben bereit
sind. Es ist besser ein Licht anzuzünden, als auf die Dunkelheit zu
schimpfen Die Einen wachsen, für andere ändert sich nur der
Maßstab.
Ich habe zwar die letzten drei Monate unentgeltlich gearbeitet, aber
sehr viel gewonnen. Und ich bin überzeugt davon, dass gute Ideen
nicht nur geboren werden, sondern niemals endgültig sterben!
Alles Gute
Stefan Höper
Geschäftsführung
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Der eigentliche Grund geht nur aus einer Randbemerkung hervor: Ein
Investor war gefunden und die Finanzierung des weiteren Bestehens
von
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damit gesichert, jedoch hat der Anschlag von New York die
Firma genau dieses Investors zerstört. Damit zerplatze der Plan
zur Finanzierung und gleichzeitig alle Hoffnung auf ein Weiterbestehen
von
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wie eine Seifenblase.
Eine ziemlich gute und umfangreiche Sammlung an
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-Andenken, Fakten etc. hat übrigens
Aven zusammengestellt. Viele der Informationen,
die ich hier im Nachhinein noch eingebaut habe, stammen aus dieser Quelle. Sehr empfehlenswert!
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 02. Dezember 2007 )
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