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Zieht die Rentner aus dem Verkehr! |
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Geschrieben von joschma
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Mittwoch, 05. September 2007 |
Um diesen krassen Titel direkt wieder zu entkräften: Gemeint sind offensichtlich nicht mehr fahrtüchtige Rentner im Straßenverkehr, denen eindeutig die Einsicht fehlt um freiwillig den Führerschein zurück zu geben und damit drauf zu verzichten, sich ans Steuer eines Autos zu setzen.
Wie ich drauf komme? Heute morgen wieder selbst erlebt: Ein älterer Herr am Steuer eines Wagens - ausnahmsweise hatte er keinen Hut auf und der Wagen trug keinen Stern sondern vier Ringe.
Nennen wir ihn einfach mal Wilhelm. Meinereiner wollte bzw. musste zur Arbeit und ich hatte es etwas eilig, denn ich war spät dran. Zu meinem Pech war Wilhelm vor mir da und tuckerte fröhlich mit (laut Tacho) 40 km/h oder (gefühltem) Schrittempo vor sich hin. Hinter uns bildete sich bereits eine etwas längere Schlange weiterer Autos, was ihn in seiner grenzenlosen Rücksichtslosigkeit jedoch nicht im Ansatz motiviert hat, auf die erlaubten 50 km/h zu beschleunigen.
Guckt der nie in seinen Rückspiegel?
Gut, 50 km/h sind nicht verpflichtend, muss man nicht präzise auf den Tacho kriegen. Aber: Auf der Strecke gibt es diverse Ampeln. Die sind alle auf "grüne Welle" geschaltet. Wie in Mülheim üblich, muss man immer knapp 60 km/h (!) fahren um in der grünen Welle zu bleiben - wie ich gehört habe ist das wohl schon in ganz NRW bekannt dass das in Mülheim so ist.
Jedenfalls, Wilhelm wusste es offenbar nicht, hat es bewusst ignoriert oder als Rentner offenbar genug Zeit, an jeder roten Ampel die Aussicht zu genießen. Ich allerdings fahre die Strecke jeden Tag und kenne die Aussicht mehr als genug! Und ich bin kein Rentner und liege der noch berufstätigen Generation auf der Tasche, sondern ich BIN die berufstätige Generation!
Ist dem eigentlich klar, dass er mit jeder Minute meines Lebens, die er durch seine Ignoranz vergeudet, auch seine eigene Rente kürzt?
Viele fragen sich jetzt bestimmt wieso ich nicht einfach überholt hab. Wer die putzigen Hauptstraßen in Mülheim Styrum kennt, weiß, dass es da kaum Überholmöglichkeiten gibt: Die Straßen sind zweispurig, eine Spur hin, die andere her. Und natürlich fahren auch noch andere auf den Straßen (was Wilhelm ja nicht im geringsten interessierte), auch in Gegenrichtung. Also keine Chance vorbeizukommen. Also zogen Wilhelm, ich und viele weitere Autos in lustiger Polonaise die Straße entlang.
Mittlerweile klebte ich Wilhelm beinahe im Kofferraum. Normalerweise drängle ich ja nicht, normalerweise hab ich aber auch keine Schnarchtassen vor mir sondern Fahrer, die sich eines normalen Tempos befleißigen. Half aber auch nicht, Wilhelm blieb beim Radfahrer-Tempo, beschleunigte nach einem Ampelhalt weiter wie Oma Olga mit Ihrem Rollator und bog mit wirklichem, nicht gefühltem, Schrittempo ab um nicht aus der Kurve zu driften.
Wieso fuhr er eigentlich genau meine Route?
Das Highlight war dann die Autobahnauffahrt. Vermutlich hat Wilhelm den Beschleunigungsstreifen mit der Abbremsspur verwechselt, denn genau auf diesem Streifen ließ er seine soeben auf todesmutige 70 km/h beschleunigte Kutsche wieder auf 60 km/h ausrollen. Obwohl er locker hätte auffahren können, blieb er auch erstmal auf der Spur. Der holländische LKW, der ein riesenstück weiter hinten heranrauschte, probte schon Diskobeleuchtung mit seiner Lichthupe um Wilhelm zu signalisieren dass er auffahren kann. Es endete schließlich damit, das Wilhelm auf die Autobahn geschneckt ist, der Holländer einen Bremsanker ausgeworfen hat um Wilhelm nicht wie einen Golfball von dannen zu kicken und ich mich dann nach einem Ausflug auf den Standstreifen hinter dem Holländer eingereiht hab.
Ich finde, Fahrer wie Wilhelm sollten sich wirklich mal ernsthaft überlegen ob sie weiter aktiv am Straßenverkehr teilnehmen. Und Wilhelm ist hierbei noch ein harmloses Beispiel - wie oft liest man in der Zeitung, dass mal wieder ein Rentner irgendwen totgefahren hat weil er die Kontrolle über seinen Wagen verloren hat.
Wobei ich mich ja echt frage: Wie kann man bei 30 km/h die Kontrolle verlieren???
Ich hör schon wieder das Geschrei der Rentner-Lobby dass laut Statistik die meisten Unfälle von jungen Fahren verursacht würden. Ja, logisch: Die fahren auch bedeutend mehr, die müssen beispielsweise zur Arbeit. Und überhaupt, selbst Churchill wusste schon: "Trau keiner Statistik die Du nicht selber gefälscht hast". Was ist zum Beispiel mit Unfällen, weil rollende Verkehrshindernisse wie Wilhelm zu riskanten Überholmanövern zwingen? Da taucht dann in der Statistik wieder ein jüngerer Fahrer auf obwohl Wilhelms Ignoranz Ursache allen Übels war.
Wie ist eigentlich zu rechtfertigen, dass junge Fahrer eine Probezeit haben, grade frisch ausgebildet und ärztlich auf Fahrtauglichkeit untersucht wurden - und dann die nächsten 50 Jahre so gar nix mehr geprüft wird? Wo liegt das Problem bei einem regelmäßigen Gesundheitscheck? Und Nachprüfungen alle paar Jahre, damit man auch geänderte Verkehrsregeln sicher mitkriegt? Und zwar verpflichtend für alle Führerscheininhaber, denn freiwillig bringt ja eindeutig nix wie die Erfahrung zeigt? Personalausweise laufen auch alle paar Jahre aus und müssen erneuert werden; es gibt keinen Grund dagegen dies beim Führerschein nicht auch zu tun, sondern nur Gründe dafür!
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