Home arrow Themen arrow People 2 know arrow ...wissenschaftlich arrow Erich Schumann
Erich Schumann PDF Drucken E-Mail
Benutzer Bewertung: / 0
SchlechtSehr gut 
Geschrieben von joschma   
Freitag, 07. September 2007
Prof. Karl Erich Schumann

geboren am 5. Januar 1898 in Potsdam, gestorben am April 1985,

Enkel des Komponisten Robert Schumann,

deutscher Akustiker und Sprengstoffphysiker.

Karl_Erich_Schumann.jpgSchumann promovierte 1922 in Berlin bei Carl Stumpf und Max Planck mit der Dissertation Die Abhängigkeitsbeziehungen zwischen der objektiven und subjektiven Tonintensität. In seiner Habilitationsschrift Die Physik der Klangfarben (1929) belegte er, dass Musikinstrumente feste Formantbereiche besitzen und sich deren Strukturen abhängig von Dynamik und Tonhöhe ändern. Seit 1929 leitete Schumann die Abteilung für Akustik am Physikalischen Institut der Berliner Universität und lehrte experimentelle und theoretische Physik.

Er wurde 1934 Leiter der Forschungsabteilung des Heereswaffenamtes (HWA).

Schumanns Einstufung als Ministerialdirigent entsprach beim Heer etwa dem Rang eines Generalmajors. Im Rahmen dieser Tätigkeit waren ihm in Gottow bei Berlin ein Institut für Physik (unter Ministerialrat Dr. Basche) und ein Institut für Chemie (unter Oberregierungsrat Dr. Eschenbach) unterstellt. Daneben verfügte er als Ordninarius der Universität Berlin über die beiden der wehrtechnischen Forschung vorbehaltenen Institute für Physik II und Theoretische Physik II. Schumanns Fähigkeit als Wissenschaftsorganisator war gefragt, als es galt, das Arbeitsfeld Kernphysik zu besetzen. Anlass gab eine Sitzung Mitte Juni 1939, die sein Chef, General Karl Becker, einberief. Anwesend waren Dr. Walter Basche und der Chef des Stabes des HWA, Oberst Dr. Waeger. Außerdem waren anwesend Max Planck, der Präsidenten der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft, Abraham Esau und der Prodekan der Wehrtechnischen Fakultät der TH Berlin, Professor Hans Winkhaus. Unmittelbar darauf gründete er am 15. Juni 1939 das Referats für Atomphysik im HWA, und betraute mit dieser Aufgabe Dr. Kurt Diebner. Von da an kümmerte sich Schumann offensichtlich nicht mehr intensiv um die Kernphysik.

Dieses sollte sich jedoch im Laufe des Jahres 1943 ändern. Insbesondere die Arbeiten der Hohlladungsexperten des HWA unter Leitung von Dr. Walter Trinks versprachen einen erfolgreichen neuen Weg. Trinks Habilitationsarbeit »Freisetzung von Atomenergie durch Kernsynthese bei leichten Elementen« war die Grundlage für die Idee der thermonuklearen Bombe, wobei offensichtlich auch Forschungsgruppen anderer Waffenämter auf diesem Weg experimentierten. Im Herbst 1944 wurden Schumann und Trinks weitere Forschungen durch die SS untersagt. Ob sie trotzdem an Tests ihrer Waffenkonfigurationen im Oktober 1944 und März 1945 beteiligt waren, bleibt offen.

Walter Trinks kam im Sommer 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft, Schumann tauchte fast zwei Jahre unter, da »sowohl die östlichen als auch die westlichen Besatzungsmächte ein erhöhtes Interesse daran hatten, meiner habhaft zu werden«.

Im Herbst 1946 nahm er mit Max Planck in Göttingen Verbindung auf, der sich umgehend bei den britischen Besatzungsbehörden um eine nachsichtige Behandlung Schumanns bemühte und ihm die Rückkehr in die Wissenschaft ermöglichen wollte. Daraufhin meldete sich Schumann im Juli 1947 bei den Briten, die ihn einige Tage befragten und im August 1947 entließen.

Schumanns Hoffnungen, eine Anstellung an einer Universität zu finden, scheiterten. Er zog nach Hamburg und wurde 1949 Leiter des Helmholtz-Instituts für Tonpsychologie und medizinische Akustik. Mitte 1947 ließ Schumann durch ehemalige Mitarbeiter die wichtigsten Teile ihrer bei Kriegsende vernichteten Geheimpatente aus dem Gedächtnis rekapitulieren und fasste dieses in einem etwa achtzigseitigen Forschungsbericht zusammen:

    „Nach der Zusammenstellung dieses Berichts bestand so gut wie gar kein Zweifel mehr, dass aufgrund der aus dem Kriege vorliegenden Erkenntnisse entwickelte Verfahren so gut wie sicher zum Ziele führen würden. Ein kleines Experiment, das gegebenenfalls an anderer Stelle erläutert werden soll, brachte labormäßig ein positives Ergebnis.“

In den Geheimpatenten und Schumanns Bericht wurden die Ergebnisse der Fusionsforschung des HWA dargelegt. Schumann war sich bewusst, was dieses bedeutete. Mit ihrer »x-Zündung« genannten Konfiguration hatten die Wissenschaftler des HWA einen Weg gefunden, thermonukleare Reaktionen auszulösen.

Die Ansprüche auf ihre Erfindungen diskutierte Schumann mit Ernst Telschow (1889-1988), dem damaligen Generalsekretär der Max-Planck-Gesellschaft (MPG). Telschow wies ihn darauf hin, dass eine Anmeldung von Geheimpatenten unter Besatzungsbedingungen nicht möglich sei. Der Bericht verschwand zunächst im Panzerschrank von Telschow und wurde von ihm wenig später an die Briten übergeben. Die konnten damit aber offenbar nicht viel anfangen. Schumann war entschlossen, den wirklichen Stand der Forschungsarbeiten des HWA offen zu legen und bereitete dazu seit dem Herbst 1948 eine Publikation vor »Die Wahrheit über die deutschen Arbeiten und Vorschläge zum Atomenergie-Problem (1939–45)«. Er wollte sich und seinen Mitarbeitern die wissenschaftliche Priorität sichern, Anwürfen von Kollegen entgegentreten, er sei für das Scheitern des Uranvereins der Hauptverantwortliche, und nicht zuletzt sein Einkommen aufbessern.

Der Kalte Krieg kam der Durchsetzung von Schumanns Anliegen sehr gelegen. Im August 1949 testete die Sowjetunion ihre erste Atombombe. Dafür glaubte Schumann eine Erklärung anbieten zu können – sowjetische Physiker hatten seiner Meinung nach den deutschen Weg zum Bau einer Kernwaffe gewählt. Dieses war ein Trugschluss, wie sich aber erst später herausstellen sollte. Jedenfalls sah Schumann keine Veranlassung mehr, sein Wissen der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Kollegen und Freunde rieten ihm dringend von der Publikation ab. Verlag und Autor würden mit dem Buch gegen die Kontrollratsgesetze verstoßen, die deutschen Wissenschaftlern jegliche kernphysikalische Arbeit mit militärischer Relevanz untersagten.

Schließlich zog Schumann das Manuskript zurück. Nunmehr konzentrierte er sich gemeinsam mit Hans Winkhaus, Walter Trinks und wenigen anderen engen Vertrauten auf die Verwertung ihrer Geheimpatente, was angesichts der geltenden Kontrollratsbestimmungen kompliziert war. Die Patentansprüche der Gruppe betrafen vier Problemkreise: Verfahren und Vorrichtungen zur Erzeugung höchster Drücke und Temperaturen, synthetische Herstellungen von Diamanten, Atomkernreaktionen und atomare Hohlladungen.

Da in der Bundesrepublik Deutschland bis zum Mai 1955 die von den Mitarbeitern des HWA behandelten Themen den Kontrollratssanktionen unterlagen, versuchte die Gruppe vergeblich, mit Interessenten von der spanischen Akademie der Wissenschaften und dem amerikanischen DuPont-Konzern zu Verträgen zu kommen.

Danach bemühte man sich um die Unterstützung des Präsidenten des Deutschen Patentamtes und später auch des Bundesverteidigungsministeriums und wünschte nunmehr, dass die Verwertung ihrer Erfindungen ausschließlich durch deutsche Stellen geschehen sollte. Im August 1952 erfolgte die Patentanmeldung. Das später gegründete Bundesverteidigungsministerium übernahm dann die Anmeldung und geheime Behandlung der eingereichten Patente.

Von den jahrelangen vergeblichen Bemühungen um die Patentverwertung zermürbt ging man im Streit auseinander. Winkhaus und kurz darauf auch Schumann zogen sich schließlich aus der Gruppe zurück. Erich Schumann starb im April 1985.

Der Enkel des Komponisten Robert Schumann trat auch als Komponist von Militärmusik hervor, in der er sich bemühte, durch Umsetzung seiner eigenen Formant-Theorie eine möglichst große Transparenz des Klangs zu erreichen. Vor allem sein Marsch Panzerkreuzer Deutschland (1937) wurde im Dritten Reich aber auch im Westdeutschland der Nachkriegszeit häufig gespielt. 1957 reichte er dem Referat Musik im Verteidigungsministerium eine Stellungnahme zur Militärmusik ein, in dem er eine Erweiterung der zur Verfügung stehenden Klangfarben forderte.
Letzte Aktualisierung ( Mittwoch, 24. Oktober 2007 )
 
Weiter >

zuletzt ins Gästebuch geschrieben...:

axel klein
beste grüße aus sylt vom team der ferienwohnung sylter deichwiesen / westerland  
www.sylter-deichwiesen.de[IMG]null[/IMG]

Newsflash

Nach langer Umbauzeit, in der das gesamte Website-System grundlegend geändert wurde, ist joschma.de - zunächst noch im Testbetrieb - wieder online
 
Sitemap  ■  Suche  ■  Impressum  ■  Nutzungsbedingungen  ■  Datenschutzerklärung  ■  Kontakt
© 2000 - 2012 www.joschma.de
Joomla! is Free Software released under the GNU/GPL License.