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Okt 18 2007
KiBiz - Von wegen Bildung für alle! PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von joschma   
Donnerstag, 18. Oktober 2007
Das deutsche Bildungssystem ist krank. Genauso krank wie die Politiker, die es mit immer weiteren weltfremd-bescheuerten Ideen weiter in den Tod treiben. Aus unzähligen schlechter Kopierversuche skandinavischer Vorbilder (da ist Pisa toll - die stecken aber auch richtig Asche in die Angelegenheit) gibt's nun laut meiner Tages-WAZ eine ganz tolle neue Idee direkt für die Bildungs-Basis:

Die Kindergarten-Garantie für Zweijährige

Wow! Top! Super Idee! DIE Lösung überhaupt! Daumen oben!

Aber wie jeder € hat auch diese Medaille zwei Seiten... wie heißt es in dem Bericht weiter: Das Programm soll aus Bundesmitteln finanziert werden. Aha - Supi, der Staat lässt tatsächlich mal was für die Bildung springen? Faszination pur macht sich breit. Aber zu früh gefreut: Arme Städte dürfen fehlende Beiträge nicht übernehmen.

Hallo? Was hab ich verpasst? Wie asozial ist das denn? Ich denke, für alle Bevölkerungsgruppen soll Bildung gleichermaßen möglich sein? Ist das nicht das, wonach die Partei mit dem Sonnenblümchen dauernd schreit? Oder das Hauptmotto zum Thema Bildung bei den roten Schweißfuß-Söckchen die dauernd mehr Gesamtschulen fordern? Immerhin sitzen letztere ja mit am Ruder und kööönten steuernd eingreifen. So sie denn wollten.

Denn wenn sie dann wollen täten, würde ein Logikfehler in der Verbindung dieser Denke mit KiBiz mehr als offensichtlich: Arme Städte haben arme Einwohner. Arme Einwohner können ihren Kindern erwiesenermaßen ohnehin oft nicht das nötige Maß an Bildung mitgeben, Kindergartenbeiträge und besonders deren Erhöhungen schlagen da zusätzlich ins Kontor: Nicht umsonst (oder im übertragenen Sinne grade deswegen) schicken in armen Städten Eltern ihre Kinder lieber nicht in den Kindergarten - sie haben das Geld dafür nicht (naja, wieso hatte ich ja hier schonmal erklärt).

Was genau bringt es also, Kiga-Plätze für 2jährige - die schlimmstenfalls noch nicht stubenrein sind und daher erhöhten pädagogisch-hygienischen Aufwand benötigen - anzubieten? Richtig: Kosten. Kosten, die die Städte - also die armen - nicht tragen dürfen und auf die Elternbeiträge umlegen sollen. Kosten, die die Eltern - also auch wieder die armen - nicht tragen können und oder wollen. Und wie das in der Nahrungskette nun mal so ist: Die Kleinsten werden gefressen - das sind wie nicht anders zu erwarten die Kinder - übrigens schon wieder die armen.

Wäre es nicht genau umgekehrt sinnvoller? Die armen Städte bekommen mehr vom Staat, damit sie für die armen Eltern den Kindergartenbeitrag senken oder ganz abschaffen könnten und deren arme Kinder nicht fehlernährt zwischen Gecko und Handy zu Hause sitzen, sondern bereits als Kind soziales Miteinander und Bildung erfahren können?

Ich glaube ich lebe in einer sozialen Traumwelt...
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