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Jul 06 2008
Medizin 1. und 2. Klasse PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von joschma   
Sonntag, 06. Juli 2008
In letzter Zeit liest man ja häufiger, dass mal wieder ein Politiker den Verdacht hat, wir hätten eine Zweiklassenmedizin und Privatpatienten würden besser behandelt als Kassenpatienten.

Ich sage dazu: Recht so!!! Wo ist dabei denn bitteschön das Problem? Zwei oder noch mehr Klassen sind doch allgemein üblich: Bei der Bahn gibt es sie, im Flieger, im Grunde genommen ja sogar bei Aldi, Lidl und Co.: Erste Klasse ist die bekannte Marke, zweite Klasse die Eigenmarke.

Die Qual der Wahl zwischen erster und zweiter Klasse hat der Kunde. Wenn's nicht das Kunstlederpolster im überfüllten Zugabteil, sondern Samtpolster in der klimatisierten Ruhezone mit Bordservice durch den Zugbegleiter sein soll, löst man das Ticket erster Klasse für den ICE. Wem die engen Sitzreihen im Mallorca-Ferienflieger zu eng sind, der fliegt statt Economy lieber Business Class. Und wem der zweitklassige China-LCD-Plagiat-Fernseher zu kacke ist, der kauft sich eben den Original-Sony oder Toshiba.

Wichtig zu wissen ist hierbei natürlich: Erste Klasse ist teuer, zweite Klasse ist billig. Mit Blick auf die Politiker, die sich über die Zweiklassenmedizin wundern, muss man schon sagen: Klingt komisch ist aber so.

Bei den genannten Beispielen ist der Preisunterschied wohl allen klar: Plagiat-Fernseher = Billig, Super-Duper-Markengerät = Teuer. Business Class = Teuer, Economy Class = Billig. Klar soweit? Komplizierter - und für unsere ja meistens nicht grad mit Intelligenz gesegneten Politiker, insbesondere was Gesundheitspolitik anbelangt - ist es in der Medizin.

Da gibt es die gesetzlichen Krankenkassen. In denen ist ein Großteil der Bevölkerung zwangsweise Mitglied, ob sie wollen oder nicht, zahlen monatlich hunderte Euronen an Beiträgen und wenn sie mal zum Arzt gehen rechnet der direkt mit der Krankenkasse ab. Die Krankenkassen dürfen (!) bestimmte Leistungen von Arzt, Krankenschwester und Apotheke erstatten. Weitergehende Leistungen dürfen sie schlichtweg nicht übernehmen. Nennen wir dieses Gesamtpaket einfach mal "Grundversorgung".
Auf der anderen Seite gibt es die privaten Krankenversicherungen. Hier ist der Rest der Bevölkerung, der nicht in die Krankenkassen gezwungen wird, versichert. Hier ist aber auch ein Teil derer, die Zwangskrankenabkassiert werden, zusätzlich versichert - denn die privaten Krankenversicherungen dürfen was, was die Krankenkassen nicht dürfen: Alle möglichen Behandlungen, Medikamente und und und erstatten. Das System funktioniert so: Der Versicherte sagt, wie umfangreich sein Versicherungsschutz sein soll (wir erinnern uns: diese Wahl hat er bei den Krankenkassen nicht, da gibt es immer die Grundversorgung, nie mehr, sondern meistens weniger) und die Versicherung sagt was es kostet. Fertig, Aus.

Mit normalem Menschenverstand kommt also jeder dahinter: Krankenkasse = zweite Klasse, Krankenversicherung = erste Klasse. Auch klar: Erste Klasse ist (meistens) teurer. Insbesondere für die, die Krankskassiert werden, denen die Grundversorgung aber nicht reicht sondern die bessere Leistungen wollen. Wie war nochmal der Vorwurf der Politik? Privat krankenversicherte werden besser behandelt? Ja natürlich werden sie das! Kann man ja wohl auch erwarten, wenn man mehr zahlt als der Standarddödel will man ja auch besser behandelt werden als der Standarddödel. Deswegen macht man das ja überhaupt nur!
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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 06. Juli 2008 )
 
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Cornelia Schmidt
Das hier ist schon eine sehr anspruchsvolle Seite. Weiter so Herr Schumann! 
Gruß Conny

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