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Apr 20 2010
Hochwürden beliebte es zu Ohrfeigen PDF Drucken E-Mail
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Geschrieben von joschma   
Dienstag, 20. April 2010
maxundmoritz.pngDie Diskussion im angeblich "sexuell missbrauchte" ehemalige Heimkinder prägt ja doch ganz schön: Sobald in den Medien davon die Rede ist, schalte ich um und denke "ach, die Kirche mal wieder". Wobei mittlerweile eigentlich allen kinderbetreuenden Institutionen Vorwürfe gemacht wurden, nicht nur den katholischen...

Richtig lustig ist die Debatte um den Augsburger Bischof Walter Mixa, der angeblich als Stadtpfarrer von Schrobenhausen Ohrfeigen veteilt haben soll. Die dadurch "sexuell" (?) belästigten "Opfer" bieten gefundenes Futter für die Medien.

Abgesehen davon, dass unter heutigen Gesichtspunkten derartige Erziehungsmethoden ohnehin mehr als fragwürdig erscheinen und auch die Tatsache, das sich seltsamerweise erst jetzt, Jahre später, zum gesamten Themenkreis erst Opfer finden (waren die zwischendurch auf'm Mond oder so?), mal ein paar Fakten:

Bis 1973 war die Prügelstrafe an Schulen in Deutschland vollkommen legal, in Bayern sogar bis 1980 (Walter Mixa war von 1975 bis 1996 Stadtpfarrer von Schrobenhausen in Bayern), erst seit dem Jahr 2000 ist körperliche Züchtigung in Deutschland generell verboten. Bis weit in die 1970er Jahre waren Klassiker wie "Schinkenkloppen", "Arsch versohlen", "nen Arschvoll kriegen", "Hosenspannes", "ne Jachtreise machen", "wat auf die Bollen kriegen" oder "dann hat der Hintern Kirmes"laut Wikipedia vollkommen normale Erziehungsmittel.

Kurz: Aus heutiger Sicht absolut no-go, die Zeiten haben sich aber auch geändert. Wie weit rückwirkend will man damals Normales denn nach heutigen Maßstäben beurteilen? Und wo wir grade beim Bestrafen sind - die "Täter" bestrafen? Hexenverbrennungen im Mittelalter beispielsweise. Könnte man ja auch mal aufarbeiten. Das Raubrittertum. Die Kreuzigung Jesu müsste doch auch amnesty international auf den Plan rufen. Selbst in der Bibel finden sich Berichte über Untaten - beispielsweise die Verbannung aus dem Paradies, die nach heutigen Gesichtspunkten einer Vertreibung entspricht, oder die Sintflut, also der mutwilligen Massen-Ersäufung, um nur einige der bekanntesten Beispiele zu nennen.

Vermutlich sind die Alt-Fälle egal, weil sowohl Opfer als auch Täter längst tot sind. Wobei: Die Sintflut kam von Gott, und die Priester handeln ja auch nur im Auftrag Gottes. Da schließt sich also ein Kreis. Und es ist deutlich erkennbar, dass sich auch Gottes Werte wandeln: Er ersäuft nicht mehr, er lässt nur noch ohrfeigen...
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